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Lesung | Gertraud Klemm

Gertraud Klemm liest am 13. Oktober, 19.00 Uhr im Rahmenprogramm der Ausstellung Hoamatland von Sarah Iris Mang & Friends in der 44er Galerie ihren Text Ziernähte und Passagen aus Aberland.

Ziernähte ist ein Text über Heimat, Tracht und Trinktriebe; es ist eine Auseinandersetzung mit dem sichtbaren und unsichtbaren Machtgefüge in einer dörflichen Gemeinschaft.

Aberland
Elisabeth, 58, versucht würdevoll zu altern. Ihr gutbürgerliches Leben ist am ehesten charakterisiert durch das, was sie alles nicht getan hat: sie hat nicht studiert und nicht gearbeitet, sie hat ihre Kinder nicht vernachlässigt und ihren Mann nicht mit dem Künstler Jakob betrogen, sie hat der Schwiegermutter nicht die Stirn geboten und stellt noch immer nicht den Anspruch, ins Grundbuch der Jugendstilvilla eingetragen zu werden. Mit Zynismus und verhaltener Selbstreflexion beobachtet sie das Altern der Frauen um sie herum.
Und sie beobachtet ihre Kinder, vor allem Franziska, 35, die zu Wutausbrüchen neigt, mit den Anforderungen der Gesellschaft an ihre Mutterrolle hadert und die theoretische Gleichberechtigung von Mann und Frau im Alltag nicht einlösen kann. Auch sie hat ihre Visionen nicht verfolgt, weder beruflich noch privat, und begnügt sich mit einem fast fertigen Studium und einem fast geliebten Mann. Es scheint, als habe sich dieser zahnlose Feminismus von einer Generation an die nächste vererbt.

 
Gertraud Klemm, die mit einem Kapitel aus Aberland den Publikumspreis beim Bachmann Preis 2014 gewann, schildert eine gesellschaftliche Situation, in der mit viel »ja – aber« die wichtigen Entscheidungen verschoben und verhindert werden.

geb. 1971 in Wien. Biologiestudium, seit 2006 Autorin und Schreibpädagogin. Lebt mit ihrer Familie in Pfaffstätten, Niederösterreich.
Longlist des deutschen Buchpreises 2015 („Aberland“)
Publikumspreis beim Bachmannpreis 2014 (38. TDDL)

 
Publikationen
„Muttergehäuse.“ Roman. Kremayr & Scheriau 2016, Wien
„Aberland“. Roman. Droschl 2015, Graz
„Herzmilch“. Roman. Droschl 2014, Graz

Foto: andrea peller